Bild: Andreas Felder
Zwischen neuem Leben und dem letzten Atemzug
Zwei Stimmen über meinen Roman „Der Atem gehört mir, bis ich ihn selbst loslasse“
Zwei Menschen sprechen über meinen Roman, über Laura und Helene sowie über Würde, Selbstbestimmung, Verantwortung und Abschied. Ein ruhiges Gespräch über Fragen, die nach der letzten Seite weiterwirken.
Manche Geschichten enden mit der letzten Seite. Ihre Fragen bleiben.
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Zwischen neuem Leben und dem letzten Atemzug
Podcast über den Roman „Der Atem gehört mir, bis ich ihn selbst loslasse“ von Andreas Felder
Sprecher: Sarah und Michael
Intro Musik
Eine sanfte, nachdenkliche Akustikgitarre setzt ein und verklingt langsam.
SARAH
Hallo und herzlich willkommen zu einer ganz besonderen Ausgabe unseres Buch Podcasts. Heute sprechen wir über ein Werk, das uns beide in den letzten Tagen regelrecht den Atem geraubt hat. Es ist der Roman „Der Atem gehört mir, bis ich ihn selbst loslasse“ von Andreas Felder. Ein Buch, das dorthin geht, wo es wehtut, wo die einfachen Antworten aufhören und das echte, ungeschönte Menschsein beginnt.
MICHAEL
Ja, hallo auch von mir. Es ist selten, dass ein Buch so lange in einem nachklingt. Es ist keine leichte Kost, aber es ist unglaublich warmherzig und tiefgründig geschrieben.
Im Zentrum steht Laura, eine junge, erfahrene Palliativpflegerin, die täglich Menschen beim Sterben begleitet. Sie hat gelernt, neben dem Schmerz sitzenzubleiben, nicht wegzuschauen. Doch plötzlich gerät ihr eigenes Leben komplett aus den Fugen.
SARAH
Genau. Und dieser Kontrast ist es, der die Geschichte so intensiv macht. Auf der einen Seite haben wir das Zimmer 217 im Krankenhaus. Dort liegt die 82 Jahre alte Helene Berger.
Sie leidet an einem fortgeschrittenen Bronchialkarzinom, weiß ganz genau, dass sie sterben wird, und begegnet diesem Ende mit einer fast majestätischen, nüchternen Klarheit.
Sie will selbst bestimmen, wann es genug ist. Sie fordert ihr Recht auf einen würdevollen, selbstgewählten Abschied ein.
MICHAEL
Und auf der anderen Seite steht plötzlich Lauras eigener Körper auf und stellt eine existenzielle Frage.
Laura bemerkt eine anhaltende Müdigkeit, eine leise Übelkeit auf Station und schließlich hält sie einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen.
Da ist sie also: Eine Frau, die täglich das Sterben bezeugt, trägt plötzlich neues, ungeplantes Leben in sich. Ein absoluter Wendepunkt, der sie völlig unvorbereitet trifft.
SARAH
Absolut. Und hier entfaltet sich das eigentliche ethische Spannungsfeld des Romans.
Für Laura beginnt ein Zerreißprobe Prozess.
Auf der Station hört sie Helene zu, die ihr aus dem Tagebuch ihrer Mutter vorliest. Helenes Mutter war damals selbst ungeplant schwanger, unter ärmlichsten Verhältnissen.
Sie musste die Entscheidung für oder gegen das Kind ganz allein treffen.
Und Helene liest Laura diesen einen Satz vor:
„Man darf nicht aus fremder Erleichterung über das eigene Leben entscheiden.“
Das ist Lauras großes Thema: Autonomie. Ihre Würde, selbst über ihren Körper und ihren Weg zu entscheiden, ohne den Druck von Erwartungen anderer.
MICHAEL
Das verstehe ich vollkommen, Sarah. Die Würde des Einzelnen und das Recht auf Selbstbestimmung sind unschätzbare Güter.
Aber der Roman zeigt eben auch eine andere, wunderschöne Seite der Hoffnung.
Da ist Lauras Ehemann Martin. Als Laura ihm schließlich voller Angst gesteht, der Test war positiv, reagiert er so bemerkenswert.
Er drängt sie nicht. Er verlangt keine sofortige Antwort. Er stellt sich einfach als Partner an ihre Seite und gesteht ihr ganz ehrlich:
„Ich freue mich für einen Moment, aber ich habe auch Angst. Ich freue mich nicht gegen dich oder deine Angst, es ist einfach nur da.“
Ist das nicht das schönste Plädoyer für das Leben?
Ein Kind ist doch keine bloße Last, es ist eine Zukunft, ein neues Abenteuer, das im gemeinsamen Vertrauen gewachsen ist.
SARAH
Das stimmt, Martin ist ein wunderbarer Charakter.
Aber genau hier liegt doch die Gefahr, Michael.
Laura spürt, wie die Stimmen in ihr lauter werden. Sie hat Angst vor dem Urteil der Welt.
Sie fragt sich: Wäre ein Abbruch egoistisch? Wäre ein Behalten unverantwortlich?
Helene warnt sie vor dieser „geliehenen Angst“, der Angst vor dem Urteil der anderen, vor dem, was man angeblich soll.
Helene sagt ihr ins Gesicht:
„Wählen Sie nur so, dass Sie sich nicht selbst aus Ihrer Geschichte drängen.“
Wenn Laura das Kind nur aus Schuldgefühl oder gesellschaftlichem Druck bekommt, dann verlässt sie sich selbst.
Sie würde an einer Entscheidung zerbrechen, die nicht aus ihrem eigenen, ehrlichen Inneren kommt.
MICHAEL
Ja, aber Selbstnähe bedeutet doch nicht Isolation, Sarah.
Wir tragen Verantwortung für die, die wir lieben, und für das Leben, das durch uns entstehen kann.
Helene selbst verdankt ihre gesamte Existenz der Tatsache, dass ihre Mutter damals, trotz massiver Angst und Armut, den Mut hatte, Ja zu diesem Leben zu sagen.
In Helenes Brief, den Laura nach ihrem Tod erhält, steht dieser berührende Satz:
„Wenn meine Mutter sich damals anders entschieden hätte, hätte ich dieses Leben nie gekannt. Ich hätte nie Paul getroffen, nie das Meer in Frankreich gesehen, nie mit dir gesprochen. Alles hing an dieser einen Entscheidung.“
Das zeigt doch: Das Leben hat einen unschätzbaren, unvorhersehbaren Wert.
Manchmal müssen wir über unsere Angst hinauswachsen, um der Zukunft eine Chance zu geben.
Verantwortung für die Familie und Hoffnung für das Kommende wiegt schwer.
SARAH
Aber genau da hakt Helene ein, Michael.
In demselben Brief schreibt sie nämlich auch:
„Entscheidungen werden nicht dadurch richtig, dass ein gutes Ende möglich ist. Sie werden nur dann tragbar, wenn sie aus einem ehrlichen Ort kommen.“
Das ist der Knackpunkt.
Es gibt in dieser Situation keine objektiv richtige oder falsche Entscheidung.
Beide Wege haben ein immenses Gewicht. Beide Wege bedeuten einen Verlust.
Wenn Laura sich für den Abbruch entscheidet, trauert sie um das ungelebte Leben.
Wenn sie sich für das Kind entscheidet, verändert sich ihr bisheriges Leben radikal.
Die Frage ist nicht, welcher Weg der leichtere ist. Leicht ist kein Weg.
Die Frage ist: Aus welchem Ort in sich selbst heraus trifft sie diese Wahl?
MICHAEL
Und genau an diesem Punkt erreicht das Buch seine emotionale Zuspitzung.
Helene Berger schläft friedlich und in tiefer Würde ein.
Laura hält bis zum letzten Atemzug ihre Hand, spürt den Übergang vom Leben zum Tod.
Am Abend kehrt sie heim, völlig erschöpft.
Sie setzt sich auf die Bettkante.
Vor ihr liegt die geöffnete Schachtel mit dem Test. Neben ihr liegt Helenes Brief.
Sie legt ihre Hand auf ihren Bauch.
Sie weicht dem Gedanken nicht mehr aus.
Sie spürt das unendliche Gewicht dieser Sekunden, in denen ein ganzes Leben in eine völlig neue Richtung kippen wird.
Sie merkt, das Warten ist vorbei und sie muss sich entscheiden.
Sie atmet tief ein.
SARAH
Mit gedämpfter, emotionaler Stimme:
Ja.
Sie atmet ein.
Und sie weiß, dieser Atemzug gehört ihr.
Die fremden Stimmen müssen jetzt schweigen.
Und an dieser Schwelle, an diesem stillen Moment des Erkennens, lässt der Autor uns allein.
MICHAEL
Erstaunt:
Warte, Sarah, willst du damit sagen, wir erfahren es im Buch nicht?
SARAH
Andreas Felder liefert uns keine vorgefertigten Antworten, Michael.
Er hat ein Buch geschrieben, das die Verantwortung und die Entscheidung am Ende bewusst beim Lesenden belässt.
Er schenkt uns einen berührenden Spiegel für unsere eigenen existenziellen Fragen.
Wie wird Laura sich entscheiden?
Welchen Weg geht sie, nachdem sie die Hand von ihrem Bauch nimmt?
MICHAEL
Das ist unglaublich intensiv.
Liebe Hörerinnen und Hörer, was würden Sie an Lauras Stelle tun?
Welcher Weg entspringt Ihrem „ehrlichen Ort“?
Um dieses Buch ganz zu begreifen und diese Geschichte selbst zu erleben, empfehlen wir: Lesen Sie dieses Buch selbst.
Gehen Sie mit Laura an diese Schwelle.
SARAH
Ein Roman über das, was uns im Kern ausmacht.
„Der Atem gehört mir, bis ich ihn selbst loslasse“.
Lesen Sie es. Finden Sie Ihre eigene Antwort.
Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.
Outro Musik
Die nachdenkliche Akustikgitarre setzt wieder ein, wird lauter und blendet sanft aus.
Was bleibt nach dem Hören?
Zwei Menschen sprechen über meinen Roman „Der Atem gehört mir, bis ich ihn selbst loslasse“.
Im Mittelpunkt stehen Laura und Helene sowie Fragen rund um Würde, Freiheit, Verantwortung, Abschied und Selbstbestimmung.
Zwei Stimmen, zwei Blickwinkel
Ein Buch wirkt bei Menschen unterschiedlich. Genau daraus entsteht dieses Gespräch.
Welche Gedanken bleiben hängen? Welche Entscheidungen beschäftigen weiter? Wo verändert sich der Blick auf Laura und Helene? Und warum gibt die Geschichte manche Antworten bewusst nicht vor?
Hör hinein
Der Podcast lädt dazu ein, die Geschichte aus zwei Blickwinkeln zu hören.
Wenn du den Roman kennst, begegnen dir einzelne Gedanken neu. Wenn du ihn noch nicht gelesen hast, erhältst du einen ersten Zugang zu Laura, Helene und den Fragen hinter ihrer Geschichte.
Bevor du gehst
Für deinen nächsten Schritt
Nimm nur mit, was zu deinem heutigen Tag passt. Ein Gedanke oder ein kleiner Schritt reicht.
Welche Frage aus dem Gespräch möchtest du für dich weiterdenken? Halte nur diesen einen Gedanken fest.
Passender Kompass Weg: Ich möchte verstehen.

Andreas Felder
Dipl. Psychosozialer Berater
